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Das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy geriet im Zusammenklang dreier Chöre aus der Region zu einer musikalischen Sternstunde in der Horber Stiftskirche.

Eigens zur Einstudierung hatte sich ein Projektchor in Schramberg gegründet, der Mühringer Chor „in-Takt“ und der Chor Zollernalb Vox Humana vervollständigte ihn zu einem stimmgewaltigen Ensemble, das in eineinhalbjähriger Vorbereitung eines der anspruchsvollsten Werke der Chorliteratur verinnerlichte. El-Jahwe, der eine Gott, bedeute der Name des alttestamentarischen Propheten, erläuterte Peter Straub in seiner Einführung. Ein streitbarer Mensch, der dem Volk Israel den Kampf angesagt habe, weil es sich von seinem Gott abgewandt hatte. Drohend klangen die vier dunklen Bläserakkorde, als der Trossinger Gesangsprofessor Andreas Reibenspies unvermittelt drei Jahre Dürre als Strafe verkündete. Erst daran schloss sich die Ouvertüre an, die mit einem Lauf von Sechzehntelnoten und langen Sforzatonoten im Bass auf den Hilfeschrei des Chores hinführte.

C-Moll für die Rache des Gottes
Alle Blicke waren in geballter Spannung auf den Dirigenten Mike Krell gerichtet, „Hilf, Herr!“ toste es in den Raum. Willig folgte der Chor jeder Tempo- und Dynamikregung, punktgenau jede Lautstärke den romantischen Vorgaben
des Komponisten anpassend. Gerade bei dieser für Chöre größten Herausforderung, ein Mezzopiano von einem Piano zu unterscheiden, zeigte der gewaltige 90 Stimmen umfassende Chor seine Klasse, und über das ganze Dynamikspektrum reizte Krell die Leistungsfähigkeit seiner Sängerinnen und Sänger aus. „Herr höre unser Gebet“ klang es mit jugendlich frischen Stimmen von der Orgelempore. Da drehten sich die Besucher verwundert um, als noch einmal 40 Mitglieder des Vokalis Jugendchores Schramberg und des Bildechinger Jugendchores unter dem Dirigat von Peter Straub die Partien übernahmen, die Mendelssohn dem Wirken der Engel zugeordnet hatte.
In harten C-Molltönen beklagte der Chor die furchtbare Rache des zürnenden Gottes, um in ein strahlendes C-Dur zu wechseln und die Barmherzigkeit über alle auszubreiten, dass diese selbst in der letzten Kirchenbank persönlich zu empfangen war. Bis unmittelbar vor die erste Bankreihe dehnte sich das vortrefflich aufspielende Orchester aus, jede Gesangsnote einfühlsam und verlässlich begleitend. Sopranistin Claudia Habermann kämpfte bei ihrem ersten Einsatz ein wenig mit ihrem ungünstigen Platz, fand sich aber sehr schnell zurecht. Sie gab der Trauer der um das Leben des Sohnes bangenden Witwe einen erschütternden Ausdruck und bot zusammen mit Reibenspies ein wunderbares Duett. Spiel zwischen Chor und Quartett Marcus Elsäßer gab jeder Facette seiner Tenorpartie ein eigenes Gepräge, zur provokanten Frage des Ahab zog er drohend seine Augenbrauen zusammen, den mitfühlenden Obadjah verkörperte er in freundlicher Offenheit, in seiner Arie „dann werden die Gerechten leuchten“ strahlte er eine überirdische Freude aus. Aus dem auf einem Baugerüst
in sieben Reihen verteilten Choristen lösten sich zu Solopartien gelegentlich einige Sängerinnen. Eleni Bouikidou verkündete die aufziehende Regenwolke mit einem problemlos beherrschten „Hohen A“. Grandios stimmte das „Seraphim-Quartett“ den
Lobpreis an „Heilig ist Gott“ und mächtig antwortete der Chor, Engel und Menschen vereinten sich in der Anbetung. Selbst nach fast dreistündigem, konzentrierten und stehendem Auftritt zeigte der Chor keinerlei Ermüdung, massiv setzte der Schluss-Chor ein „Als dann wird euer Licht hervorbrechen“ und bewundernd stellte sich mancher die Frage, woher die Sänger diese Kraft hernahmen, als sie mit dem „Amen“ einen wuchtigen Schlusspunkt setzten.

Quelle: Schwarzwälder Bote Ausgabe Horb vom 28.11.2016, Autor: Hans-Michael Greiss